Krakau 2-Tages-Reiseplan: der vollständige Wochenendplan
Aktualisiert am:
Krakow: Old Town guided walking tour
Duration: 3h
Zwei Tage in Krakau: alte Steine, jüdische Geschichte und Kriegserinnerung
Zwei Tage geben Krakau Raum zum Atmen. Der erste Tag widmet sich dem Königsweg — von der Barbakane über den Rynek Główny bis zum Wawel-Schloss — mit Zeit für das Untergrundmuseum und einen langen Kazimierz-Abend. Tag zwei führt über die Weichsel nach Podgórze zum Schindler-Fabrik-Museum und dem Ghettomahnmal, bevor man zurückkehrt, um in der Altstadt noch offene Punkte abzuhaken.
Dieses Programm eignet sich auch als solide Grundlage für einen längeren Aufenthalt: Nach zwei Tagen hat man ein klares Gespür, welches Viertel man noch vertiefen möchte und ob ein Tagesausflug nach Wieliczka oder Auschwitz-Birkenau in den verbleibenden Zeitplan passt.
Gesamte Gehstrecke: ca. 10–12 km über beide Tage. Schwierigkeitsgrad: einfach.
Tag 1: die Altstadt und Kazimierz
8:30 — Rynek Główny zur Eröffnungszeit
Frühmorgens am Hauptplatz ankommen. Die Sukiennice (Tuchhalle) öffnet ihre Erdgeschoss-Souvenirläden ab 9 Uhr; die Galerie polnischer Kunst des 19. Jahrhunderts im Obergeschoss ab 10 Uhr (15 PLN). Um 8:30 Uhr hat man den Platz weitgehend für sich — im Sommer eine Seltenheit. Einen Obwarzanek (2–3 PLN) an den rot-weißen Karrenverkäufern kaufen, die schon vor 8 Uhr erscheinen und den ganzen Morgen auf dem Platz stehen.
Der Platz misst 200 × 200 Meter — bewusst überdimensioniert, weil das mittelalterliche Krakau Platz für Tausende von Händlern aus ganz Europa brauchte. Die Sukiennice teilte ihn in zwei Handelskorridore; noch heute kann man durch die Arkade unter ihrem Renaissance-Dachgeschoss hindurchgehen.
9:00 — Marienbasilika
Betreten von der Seite am Plac Mariacki (15 PLN). Die zweitürmige Fassade ist auf jedem Ansichtskartenbild; innen ist die Decke mitternachtsblau mit goldenen Sternen bemalt, und Veit Stoss’ geschnitzter Altar — 12 Meter hoch, 800 Einzelfiguren, fertiggestellt 1489 — beherrscht das Kirchenschiff. Die Altarflügel öffnen sich täglich um 12 Uhr; wenn es die Zeit erlaubt, nochmals kommen. Ein Trompeter spielt stündlich die Hejnał vom höheren Turm; wer sich auf dem Platz befindet, sollte innehalten und zuhören.
10:00 — Untergrundmuseum Rynek
Unter dem Marktplatz: 700 Jahre mittelalterlicher Handelsgeschichte. Die unterirdische Ausstellung umfasst zwei Handelsrouten mit rekonstruierten Marktständen, Hologrammen aus dem 11. Jahrhundert und den originalen mittelalterlichen Pflastersteinen 8 Meter unter der heutigen Oberfläche. Eintritt 30 PLN (≈ 7 €). Im Sommer ein Zeitfenster mindestens 24 Stunden im Voraus buchen.
Geführte Tour durch das Untergrundmuseum Rynek — ein lokaler Guide beantwortet Fragen, die der Audioguide offen lässt — nützlich für das Verständnis der Tatareneinfälle und Krakaus Rolle im europäischen Mittelalterhandel.
11:30 — Collegium Maius und Jagiellonen-Universität
Fünf Minuten nordwestlich zum Collegium Maius (ul. Jagiellońska 15), dem ältesten Universitätsgebäude Polens (1400). Kopernikus studierte hier. Der gotische Innenhof ist kostenlos zugänglich; das Innenmuseum (15 PLN) zeigt Kopernikus’ Globus, königliche Insignien und astronomische Instrumente. Geführte Touren starten alle 30 Minuten und dauern 45 Minuten.
13:00 — Mittagessen in der Nähe des Ryneks
Die Arkadenlokale im Rynek selbst sollte man meiden — sie verlangen 80–120 PLN für Gerichte, die zwei Straßen weiter für 30–45 PLN zu haben sind. Empfehlungen:
- Milkbar Tomasza (ul. Tomasza 24) — traditionelle Milchbar mit Barszcz Czerwony (Rote-Bete-Suppe, 10 PLN), Pierogi (15–22 PLN) und Kotlet Schabowy (Schweineschnitzel, 25 PLN). Belebt und authentisch.
- Pierogarnia Mandu (ul. Sławkowska 14) — Pierogi-Restaurant, 8 Sorten, 20–30 PLN pro Portion.
14:30 — Wawel-Schloss
Den Königsweg nach Süden gehen (15 Minuten): ul. Floriańska, durch den Rynek, die ul. Grodzka hinunter zum Wawel-Hügel. Der Königsweg ist Europas älteste durchgehend genutzte Königsstraße. An der Kirche der Heiligen Petrus und Paulus vorbeigehen (kostenlos; barockes Inneres, Apostelstatuen an der Fassade), an der Kirche des Heiligen Andreas (12. Jh., eine der ältesten in Krakau) und weiter zur Burg.
Am Wawel Einzeltickets kaufen: Staatsräume (35 PLN) für die flämischen Tapisserien und Throne, Königliche Privatgemächer (35 PLN) für Leonardos Dame mit dem Hermelin, oder eine kombinierte Führung buchen.
Wawel-Schloss — geführte Tour ohne Wartezeit bündelt Eintritt und Erklärungen — spart die Ticketschlange (die zu Stoßzeiten 30–45 Minuten dauern kann).
90 Minuten für die Burg einplanen; Wawel-Kathedrale (20 PLN) für die Königskrypta hinzufügen, in der polnische Könige, Helden und Dichter begraben liegen.
17:00 — Kazimierz: das Jüdische Viertel
Tram 18/19 ab ul. Dietla zwei Stationen südwärts (2,80 PLN) oder 20 Minuten zu Fuß durch den Planty-Ring und über den Südrand der Altstadt. Kazimierz war von 1335 bis 1800 eine eigenständige Stadt mit eigenen Mauern, eigenem Marktplatz und mehrheitlich jüdischer Bevölkerung.
Am Plac Nowy beginnen (tatsächlich dem ältesten Teil von Kazimierz) für eine Zapiekanka an den Rotunden-Kiosken (12–18 PLN) — der Abendschicht ist es ruhiger als mittags. Dann:
- Alte Synagoge (ul. Szeroka 24): Polens älteste Synagoge (15. Jh.), heute Museum. 17 PLN; samstags geschlossen.
- Remuh-Synagoge + Friedhof (ul. Szeroka 40): Noch in Gebrauch; der angrenzende Renaissancefriedhof hat Grabsteine aus dem Jahr 1551. Eintritt 10 PLN.
Eine Führung durch Kazimierz vermittelt die Gemeinschaftsgeschichte, die Hinweisschilder allein nicht transportieren können: Krakau — Führung durch das Jüdische Viertel Kazimierz.
19:30 — Abendessen in Kazimierz
Das Restaurantband an der ul. Józefa ist wirklich gut und fair bepreist. Alchemia hat ein dunkles, stimmungsvolles Interieur für ein entspanntes Abendessen. Zalewajka (ul. Józefa 26) serviert solides Bigos und Barszcz für 30–50 PLN pro Hauptgericht. Marchewka z Groszkiem (ul. Mostowa 2) ist ähnlich bepreist und immer voll — ein gutes Zeichen in Kazimierz.
Budget: 60–90 PLN pro Person mit Getränken (≈ 14–21 €).
21:00 — Abendspaziergang durch die Altstadt
Zu Fuß zurück nordwärts durch Kazimierz und den Planty-Park. Die Altstadt ist beleuchtet und um 21:00 Uhr ruhiger — ein guter Zeitpunkt, den Rynek ohne Gedränge nochmals zu erleben, auf einen Schlummertrunk ins Café Camelot (ul. Tomasza 17; heiße Schokolade empfohlen) oder in die Piwnica Pod Baranami (in den Kellern des Rynek Główny, manchmal Live-Jazz) zu gehen.
Tag 2: Podgórze, Schindler-Fabrik und mehr Altstadt
9:00 — Schindler-Fabrik-Museum
Tram 3, 19 oder 24 ab ul. Dietla über die Weichsel zur ul. Lipowa nehmen — oder 25 Minuten zu Fuß von der Altstadt. Das Schindler-Fabrik-Museum (ul. Lipowa 4) ist in Oskar Schindlers tatsächlicher Emaillefabrik untergebracht. Die Dauerausstellung “Krakau unter nationalsozialistischer Besatzung 1939–1945” beleuchtet die Zeit von der deutschen Invasion bis zur Befreiung mit Multimedia-Installationen, persönlichen Zeugnissen und Artefakten. Es ist eines der besten Weltkriegsmuseen Europas. Eintritt 32 PLN (≈ 7,60 €); online Zeitfenster buchen — im Sommer eine Woche im Voraus ausgebucht.
Krakau — Führung durch das Schindler-Fabrik-Museum bietet einen Guide, der die Schindler-Geschichte im Kontext der Gesamtbesatzung einordnet — das Museum ist dicht und emotional; eine Führung hilft, den Besuch zu strukturieren.
Mindestens 90 Minuten einplanen; 2 Stunden sind besser.
11:00 — Platz der Ghettohelden und Apotheke Unter dem Adler
5 Minuten westlich zum Plac Bohaterów Getta (Platz der Ghettohelden). Der Platz ist mit 33 übergroßen leeren Stühlen bestückt — einer für je 2.000 Juden, die zwischen 1941 und 1944 aus dem Krakauer Ghetto deportiert wurden. Die Schlichtheit ist eindringlich. An der Ecke dokumentiert die Apotheke Unter dem Adler (Apteka Pod Orłem, Eintritt 18 PLN) die Besatzung durch die Perspektive des Apothekers Tadeusz Pankiewicz, des einzigen Polen, der im Ghetto bleiben durfte. Di–So geöffnet.
Den restlichen Teil der Ghettomauer an der ul. Lwowska abgehen — etwa 20 Meter sind erhalten, von den Nazis aus grabsteinförmigen Blöcken gebaut.
12:30 — MOCAK Museum für Zeitgenössische Kunst
200 Meter vom Schindler-Fabrik-Museum entfernt: das Museum für Zeitgenössische Kunst in Krakau (MOCAK). Auch wenn man nicht in erster Linie an zeitgenössischer Kunst interessiert ist, lohnt das Gebäude — eine Umnutzung von Fabrikstrukturen mit Glasatrium — eine 20-minütige Besichtigung, und die Sammlung ist wirklich provokativ. Eintritt 20 PLN (≈ 4,75 €); dienstags frei.
13:30 — Zurück in die Altstadt zum Mittagessen
Per Tram oder zu Fuß zurück. Café Botanica (ul. Bracka 9) für ein Mittagessen mit guten Suppen (18–22 PLN) und Salaten, oder zu Bar Mleczny Centralny (ul. Jagiellońska 1) für die günstigste vollständige Mahlzeit im Zentrum (15–25 PLN für zwei Gänge). Den Milchbars-Guide für die vollständige Liste beachten.
15:00 — Restliche Altstadthighlights
Je nach dem, was noch nicht gesehen wurde:
- Czartoryski-Museum (ul. Pijarska 15): Beherbergt Leonardos Dame mit dem Hermelin — Polens größter Kunstschatz. Eintritt 36 PLN. Tickets ohne Wartezeit: Czartoryski-Museum — Eintrittskarte (Dame mit dem Hermelin).
- Barbakane und Florianstor: Die besterhaltenen mittelalterlichen Befestigungsanlagen Polens. Die Barbakane (15 PLN) ist ein runder gotischer Bastionsbau. Rundgang in 30 Minuten.
- Planty-Park: Der 4-km-Ring aus Gartenanlagen, wo einst die Stadtmauern standen. Kostenlos, im Frühling und Herbst besonders schön.
- Rathausturm (Rynek Główny): Den 70 Meter hohen Turm besteigen (15 PLN) für die beste Aussicht auf den Platz und die Altstadtdächer.
17:00 — Weichselpromenade
Südwärts auf der Wawel-seitigen Promenade. Die Weichsel-Promenade (Bulwar Czerwieński) wurde mit Cafés am Flussufer, schwimmenden Sommerbar (Barki) und dem Blick auf den beleuchteten Wawel von der gegenüberliegenden Seite umgestaltet. Entspannt, einheimisch und kostenlos.
19:00 — Abschließendes Abendessen
Zurück in die Altstadt oder nach Kazimierz. Für einen etwas gehobenen Abend: Miód Malina (ul. Grodzka 40, Hauptgerichte 45–70 PLN) für raffinierte polnische Küche in einem Gewölbekeller, oder Restauracja Wesele (ul. Rynek Główny 10, Hauptgerichte 60–90 PLN) für eine traditionelle Volksatmosphäre direkt am Rynek. Letzteres verlangt Rynek-Preise, aber die Atmosphäre ist für eine letzte Nacht stimmungsvoll.
Für einen kompletten Abend mit polnischem Abendessen und Folkshow: Krakau — Traditionelles polnisches Abendessen mit Folkshow.
Logistik für zwei Tage
Transport: Beide Tage sind von einem zentralen Hotel aus zu Fuß erreichbar. Straßenbahnen 18/19 (Dietla) verbinden mit Kazimierz; Trams 3/19/24 überqueren nach Podgórze. Einzelticket 2,80 PLN; 24-Stunden-Ticket 16 PLN.
Buchungsprioritäten: Das Schindler-Fabrik-Museum und die Wawel-Ticketschalter sollte man vor der Reise online reservieren — beides ist ausgebucht. Zeitfenster fürs Untergrundmuseum Rynek sind von Juni–August ebenfalls schnell vergriffen.
Hotels: In der Altstadt (innerhalb des Planty-Rings) für den Zugang zu Tag 1 bleiben; Kazimierz-Hotels bieten für Tag 2 kürzere Wege. Hotels an der ul. Floriańska meiden (nachts laut bis 2–3 Uhr an Wochenenden), außer man schläft tief und fest.
Was dieser Plan auslässt: Wieliczka Salzbergwerk, Auschwitz-Birkenau, Nowa Huta und die Tatra benötigen jeweils einen halben oder ganzen Tag. Dafür den 3-Tages- oder 5-Tages-Plan nutzen.
Häufig gestellte Fragen zum 2-Tages-Reiseplan in Krakau
Lohnt sich Krakau für 2 Tage?
Zwei Tage reichen für das Kernstück der Stadt — Altstadt, Wawel, Kazimierz und Podgórze — bequem aus. Man sieht alles Wesentliche und hat noch Zeit für entspannte Mahlzeiten und spontanes Schlendern. Wer Tagesausflüge (Wieliczka, Auschwitz, Zakopane) plant, sollte auf 3–5 Tage verlängern.
Was ist der Unterschied zwischen Kazimierz und Podgórze?
Kazimierz war das jüdische Viertel vor dem Krieg, mit Synagogen und Marktkultur. Podgórze war das von den Nazis gegründete Ghetto, in das Juden 1941 zwangsumgesiedelt wurden. Schindlers Fabrik liegt in Podgórze. Die beiden Viertel liegen auf verschiedenen Seiten der Weichsel, etwa 15 Gehminuten voneinander entfernt.
Muss man Wawel-Schloss-Tickets vorab buchen?
Ja, besonders im Sommer. Die Ticketanzahl ist für jede Ausstellung begrenzt. Staatsräume und Königliche Privatgemächer sind häufig bis 11 Uhr ausverkauft. Online auf wawel.krakow.pl 2–3 Tage im Voraus buchen. Alternativ gibt es geführte Operator-Touren mit Ticketing im Paket.
Kann ich die Schindler-Fabrik ohne Führung besuchen?
Ja — die Selbstführungsausstellung ist umfassend, mit englischen Beschriftungen überall. Eine geführte Tour hilft jedoch, das dichte Material zu navigieren und die Chronologie der Besatzung zu verstehen. Guides haben außerdem Zugang zu Teilen der Ausstellung, die für Selbstbesucher nicht sofort offensichtlich sind.
Was sollte man auf keinen Fall verpassen, wenn man nur für eine Sache Zeit hat?
Das Wawel-Schloss — der Rynek ist spektakulär, aber Wawel ist das Herz der polnischen Geschichte, mit 500 Jahren Königsgeschichte, der Kathedrale, in der Könige begraben sind, und dem Blick über die Weichsel, der sich seit Jahrhunderten nicht verändert hat.
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